Ausreden eines Fotodiebs, Teil 5

Absperrung am Flughafen
Foto: Absperrung am Flughafen, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt. Aber der Reihe nach.

Nehmen wir einen bekannten Schauspieler, häufig in einer Nebenrolle einer ARD-Krimireihe zu sehen. Nun erwische ich ihn quasi selbst zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren, dass er mein von ihm geschossenes Foto fleissig weiterverteilt – an Veranstalter seiner Lesungen.

Mal unabhängig von der Rechtslage müsste sich doch bereits nach der ersten Urheberrechtsverletzung der Veranstalter bei ihm gemeldet haben – ihm dürfte spätestens dann klar gewesen sein, was man eben nicht tut: Fotos einfach ohne Hinweis auf den Urheber und ohne Nachfrage weitergeben.

Denn es ist schon moralisch hart an der Grenze, den Veranstalter auf die Prüfung der Rechtekette hinzuweisen – wenn er das Foto von seinem Stargast gemailt bekommt und gutgläubig verwendet. Insofern eher keine Ausrede – aber auch keine Entschuldigung.

Abschied von Queen Elisabeth II. in Celle – Sicherheitsstufe 1 mit *

Queen Elisabeth II. zu Besuch in Deutschland
Foto: Queen Elisabeth II. zu Besuch in Deutschland, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Bei öffentlichen Presseterminen von Spizenpolitikern, auch im Wahlkampf, ist die Sicherheitsüberpfrüfung durch das BKA und auch LKA schon Standard. Nicht umsonst muss man im Vorfeld auch Geburtsdatum und Geburtsort preisgeben, dann wird gerastert, was das Zeug hält.

Beim Besuch der britischen Königin Queen Elisabeth II. in Deutschland vergangene Woche waren Presse-/Fotografen-Akkreditierungen nicht nur rar, sondern teils nach dem Berliner Modell gepoolt, wie beispielsweise auch beim Papst-Besuch 2011 oder beim G7-Gipfel 2015. Ich entschied mich allein aus Zeit- und Entfernungsgründen für ihren Besuch in Niedersachsen. Am letzten Tag ihres Deutschlandbesuchs sprach sie u.a. mit Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen, bis auf gepoolte Filmteams und Fotografen war dieser Termin pressefrei.

Der Besuch Königin Elizabeths II und des Herzogs von Edinburgh in Bergen-Belsen wird im kleinen Rahmen stattfinden, um dem Ort und seiner Geschichte Respekt entgegen zu bringen. Daher wird die Britische Botschaft in Bergen-Belsen eine Pool-Lösung für Ton-, Film- und Bildaufnahmen bereitstellen. Informationen zu den Pool-Führern werden zu gegebener Zeit in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Bitte kontaktieren Sie die Botschaft nicht bezüglich zusätzlicher Akkreditierungen. Hierfür besteht keine Möglichkeit.

Blieb also nur noch der offizielle Verabschiedungstermin gegen 13:15 Uhr durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) auf dem Heeresflugplatz Celle (Wietzenbruch/Immelmann-Kaserne). Von hier aus sollte die Queen ihren Rückflug antreten.

Im Vorfeld hieß es hierzu: Sicherheitsüberprüfung, begrenzte Zulassung, Pressetribüne, Entfernung ca. 15 Meter, Zufahrt bis spätestens 12 Uhr.

Die Zulassung kam ein paar Tage vorher per Mail, BKA, LKA und vermutlich auch der britische Geheimdienst hatten wohl nichts sicherheitsgelevantes gefunden …

Zur Bearbeitung der Akkreditierung ist es erforderlich, Ihre personenbezogenen Daten automatisiert zu verarbeiten. Sie werden ausschließlich für diesen Zweck erhoben und zum Zweck der Überprüfung sicherheitsrelevanter Umstände an die zuständigen Sicherheitsbehörden übersandt. Die Sicherheitsbehörden löschen im Rahmen von Akkreditierungsverfahren erhaltene personenbezogene Daten nach Abschluss der jeweiligen Veranstaltung.

Als ich gegen 11 Uhr in Celle eintraf, säumten schon tausende Royal-Fans die Straßen, ebenfalls sorgten auf den Hauptstraßen bzw. der offiziellen Fahrtroute alle 200 Meter Polizisten für den reibungslosen Ablauf. Letzter Einlass 12 Uhr? Der Grund dafür war dann auch schnell klar: keine übliche kleine Überprüfung von Rucksack und Fotoausrüstung (z.B. Funktionstest) oder – zuletzt bei Bundespräsident Joachim Gauck – durch Sprengstoffspürhunde. Nein, dieses Mal Sicherheitskontrolle wie am Flughafen und zusätzlich Echtheitsüberprüfung des Ausweises oder Passes mit einer Lupe. Nicht nur für die Presse, auch für die nach meiner Schätzung rund 1000 geladenen Gäste.

Das alles, um für ziemlich genau 8 Minuten (ja, acht!) einen Blick und Klick auf die mit ihrem Range Rover einfahrende, über den roten Teppich zum startklaren Flieger gehende, derzeit älteste amtierende Monarchin der Welt zu erhaschen.

Queen Elisabeth II. zu Besuch in Deutschland
Foto: Queen Elisabeth II. zu Besuch in Deutschland, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Ausreden eines Fotodiebs, Teil 2

Boa Constrictor in der Hose
Foto: Boa Constrictor in der Hose, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0

Fotodiebstahl zieht sich weiter durch alle Massen. Selbst große Freizeitparks machen nicht davor halt, ihren eigenen Online-Shop mit meinen Creative-Commons- und Nicht-Creative-Commons-Fotos aufzuhübschen. Keine Frage – selbstverständlich ohne Urhebernennung. Und richtig gelesen – gleich mehrere Fotos geklaut, genauergesagt zwei.

Mein lieber, netter Brief wurde dann auch direkt von einer Großkanzlei mit über zwei Dutzend Fachanwälten aus einer norddeutschen Landeshauptstadt beantwortet, Unterlassungserklärung und Beschimpfung inklusive.

Antwort einer Großkanzlei zum Fotoklau
Antwort einer Großkanzlei zum Fotoklau
Antwort einer Großkanzlei zum Fotoklau

Wie kam es zum doppelten Fotodiebstahl? Das weiß wieder mal niemand. War es wieder mal der Praktikant oder Azubi?

Wie es dazu kam, dass eben diese Bilder ausgewählt wurden, wird unsere Mandantin intern recherchieren.

Starker Tobak. Also hat mal wieder jemand einfach bei Google zugegriffen. Das wäre die ehrlichere Antwort gewesen. Besser wäre:

Danke, dass Sie uns darauf hinweisen. Wir werden in Zukunft unsere internen Abläufe optimieren, damit derartige Urheberrechtsverletzungen sich nicht wiederholen.

Und sonst? Warum sollte meine Abmahnpraxis Rechtsmissbrauch sein? Warum soll ich als Fotograf und Urheber auf meine Rechte verzichten? Hier zeigt sich einmal wieder, dass Fotografen die angeblichen „bösen Abmahner“ sind und die Fotodiebe ungescholten davon kommen (wollen). Fotodiebstahl ist keine Lappalie, kein Kavaliersdelikt. Denn schließlich gibt es ja auch noch den §106 UrhG. Das sollte auch der Herr Dr. Rechtsanwalt als Fachanwalt für IT-Recht sowie Urheber- und Medienrecht wissen, der die Antwort verfasst hat. Der hat sicher lieber nach dem bösen Abmahner gegoogelt statt sich mit der Rechtslage zu beschäftigen.

Auch wenn es eben im Antwortschreiben nicht so aussieht: zu Recht wurde ein dreistelliger Schadensersatzbetrag zur Erledigung der Sache angeboten.  Vor Gericht wäre sicher mehr drin gewesen.

Hinweis: das Foto am Anfang des Beitrags hat mit diesem Fotodiebstahl nichts zu tun und ist rein zur Illustration gedacht.

Tag der Bundeswehr 2015 am 13. Juni

Soldatin mit Gewehr G36 in der Grundausbildung bei der Bundeswehr (Foto 11479)
Foto: Soldatin mit Gewehr G36 in der Grundausbildung bei der Bundeswehr, Urheber: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY-NC 3.0

Am 13. Juni schon etwas vor? Deutschlandweit lädt die Bundeswehr an vielen Standorten zum „Tag der Bundeswehr“ ein. 60 Jahre Bundeswehr und 25 Jahre Streitkräfte-Einheit seien die Anlässe, so die Pressemeldung, um in den Dialog mit den Bürgern zu treten und für die Attraktivität und Familienfreundlichkeit zu werben.

Viel interessanter für Fotografen: die zahlreichen Vorführungen in Bischofswiesen, Bonn, Burg, Eckernförde, Flensburg, Fritzlar, Hannover, Koblenz, Laupheim, Leipzig, Manching, Nörvenich, Rostock, Storkow und Wilhelmshaven. Ich für meinen Teil werde voraussichtlich beim Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar fotografieren, hier sind Flugvorführungen mit dem TIGER, dem NH 90, der Bell UH-1D und der BO-105 geplant (Division Schnelle Kräfte (DSK)).